Tag der offenen Tür an der Universität Eichstätt-Ingolstadt, und auch die Pflegewissenschaft war mit einem eigenen Infostand vertreten. Für diesen habe ich mich – wie auch zwei Mitstudierende aus meinem Semester und eine Studierende aus dem 10. Semester – als Standhelferin gemeldet. Wir vier teilten uns in zwei Schichten auf, sodass jede drei Stunden am Infostand verbrachte.

Infostand & Angebot

Die Infostände der einzelnen Studiengänge waren meist zu mehreren in jeweils einem Raum zu finden. In unserem Fall teilten wir den Raum mit Religionspädagogik, Katholischer Theologie, Musikwissenschaft und Sozialer Arbeit.

Raumübersicht mit den Ständen der einzelnen Studiengänge

Raumübersicht mit den Ständen der einzelnen Studiengänge

standüberblick

Bereit für den Ansturm

Man hatte also verhältnismäßig wenig Raum, um den jeweiligen Studiengang vorzustellen, auch wenn neben Tischen Stellwände zur weiteren Dekoration und Information zur Verfügung standen.

Auslage Pflegewissenschaft

Auslage des Infostands Pflegewissenschaft

Unseren Tisch hatten wir recht üppig mit diversen Flyern, Broschüren, Fachzeitschriften und Co. gedeckt. Zwei Stellwände nutzten wir, um einen ersten Überblick über den Studiengang und seinen Verlauf darzustellen.

Zusätzlich zur Anlaufstelle des Infostandes fand ein knapp einstündiger Vortrag zum Studiengang Pflegewissenschaft von Monika Hohdorf (M. Sc. N) statt. Dieser Vortrag gab einen ersten Überblick über das Studium an der KU Eichstätt-Ingolstadt, das gegenwärtig sowohl dual (also mit begleitender Ausbildung in Gesundheits- und Krankenpflege) sowie berufsbegleitend möglich ist.

vortrag

Vortrag von Fr. Hohdorf (M. Sc. N)

Auch Ausblicke für ein abgeschlossenes Studium bekamen Interessierte gleich mit auf den Weg. Dies bezog sich einerseits auf bereits gegebene Möglichkeiten, andererseits aber auch auf sich derzeit in Entwicklung befindliche Einsatzbereiche. Hinzu kamen Zukunftsperspektiven, deren Umsetzung in der Praxis zur Zeit noch nicht absehbar sind wie beispielsweise Versorgungskonzepte für die Zahl der zunehmend chronisch Erkrankten und/oder an Demenz erkrankten Menschen.

Fragen & Gespräche

Dies war das erste Mal, dass ich einen Tag der Offenen Tür an der KU erlebt habe und entsprechend auch das erste Mal für mich an einem Infostand für den Studiengang Pflegewissenschaft. Im Vorfeld hatte ich mir tatsächlich kaum Gedanken darüber gemacht, mit welchen Fragen Besucher auf uns zukommen könnten und in welcher Bandbreite, sodass ich ziemlich gespannt auf den Tagesverlauf war.

Im Rückblick würde ich die Interessenten, insofern ich die stattgefundenen Gespräche überblicken kann, in drei Bereiche aufteilen: Orientierungsfragen junger Leute (meist ohne bisherige Ausbildung, also vorwiegend am dualen Konzept interessiert), Gespräche mit Leuten aus – grob gesagt – verwandten/sozialpflegerischen Berufen mit Interesse an Weiterentwicklung, und zuletzt vornehmlich interessierte Eltern mit teils weniger interessierten Kindern kurz vor dem Studienbeginn. 😉

Infogespräch

Infogespräch

Je nachdem, aus welchem Kontext heraus Gespräche entstanden, war meiner Wahrnehmung nach auch der Effekt unterschiedlich.

Interessierte Eltern waren dabei besonders schnell zu begeistern. Pflege als bodenständiger Beruf, in dem man immer Kräfte sucht, zukünftig suchen wird UND dazu noch ein Studium mit Zukunftsperspektive in genau diesem Bereich, das kam als Grundaussage ganz gut bei ihnen an, traf aber nicht so oft auch den Nerv der Sprösslinge.

Regelrechter Enthusiasmus begegnete mir vor allem im Kontakt mit Leuten, die bereits eine Ausbildung absolviert hatten und sich nun weiter qualifizieren wollten. Spannenderweise habe zumindest ich dabei nicht ein einziges Mal mit jemandem aus der Gesundheits- und Krankenpflege gesprochen, sondern mit Heilerziehungspflegerinnen, Rettungssanitäterinnen und Leuten aus ähnlichen Berufen. Dort war die Begeisterung dann leider schnell gebrochen, wenn sie erfuhren, dass das Examen in Gesundheits- und Krankenpflege – oder im dualen Studium dessen Erwerb – Grundlage des Studiums der Pflegewissenschaft an der KU ist und der Richtwert damit 11 Semester sind.

Begeisterung vermitteln

Begeisterung vermitteln

Für die jungen Leute ohne bisherige Ausbildung war überraschend, dass man nach der Ausbildung auch im dualen System nicht „fertig“ ist, sondern weitere fünf Semester (nach regeltypischem Verlauf) anstehen. Das kam tendenziell eher nicht gut an. Auch der Verweis, je nach persönlicher Lebensgestaltung natürlich Module vorziehen zu können und somit die Gesamtdauer zu reduzieren, machte da scheinbar keinen Unterschied aus. Für jemandem mit 16 oder 17 Jahren sind drei Jahre Ausbildung plus weiterer 2-3 Jahre Studium wohl schwer zu überblicken und darum als quasi „ewig“ lang eingeschätzter Zeitraum angekommen.

Probleme (in) der Pflege: Auch hier spürbar

Worüber ich im Vorfeld gar nicht nachgedacht habe war das Phänomen, dass bestehende Probleme (in) der Pflege sich auch an diesem Tag der offenen Tür und in den Informationsgesprächen widergespiegelt haben.

Meinem persönlichen Eindruck nach waren die Kenntnisse sowohl hinsichtlich des Berufbildes der Gesundheits- und Krankenpflege als auch die Kenntnisse zum Studiengang (oder auch ähnlichen Studiengängen) größtenteils eher gering und vielmehr geprägt von zwei vorherrschenden Aspekten:

1. Pflege als Beruf, in dem man „Gutes“ tut. 

Im Alltag bin ich an allerlei Auffassungen längst gewöhnt, dass sich diese Ansichten aber genauso bei den Besuchern eines Uni-Tages der offenen Tür zeigen würden, hat mich doch tatsächlich ehrlich überrascht. Ich traf auf eine geballte Ladung von „Das kann man auch studieren!?“ bis hin zu „Und damit wird man eine bessere Krankenschwester?„. Eltern waren wie gesagt von diesem „caritativen“ Beruf als solchem öfters sehr angetan, aber auch hier war eben „Gutes tun“ neben Zukunftssicherheit des Berufes offenbar stärkste Antriebsfeder.

Überraschung

2. Pflege wird nicht als Profession wahrgenommen.

Vorherrschend war auch die Ansicht, dieses Studium diene dem Besetzen von Leitungspositionen. Die Idee, dass akademisierte Pflegekräfte tatsächlich in der Praxis tätig sein könnten, stieß auf Unverständnis bis Unglauben. Klar wurde mehrfach, dass man sich nicht mal vage vorstellen konnte, wieso man als studierte Kraft aktiv in der Pflege tätig sein sollte oder welche Vorteile dies für die Versorgung beispielsweise haben könnte. Auch dass es irgendwas zu forschen geben könnte im Bereich der Pflege, schien Leute zu überraschen oder zu verwirren.

Hat es sich gelohnt?

Da ich nicht an den Planungen für den Tag der offenen Tür beteiligt war, sondern lediglich als Standhelferin vor Ort war, weiß ich nicht genau, welche Absicht unser Stand letztlich verfolgt hat.

Ich glaube, dass es an dem Tag durchaus gelungen ist, Interessenten für den Studiengang abzuholen und (weitergehend) zu informieren. Es würde mich zumindest nicht wundern, die eine oder andere Person in absehbarer Zeit mal auf dem Campus wieder zu treffen. Ich denke, vereinzelt haben wir auch Leute vielleicht nicht für den Studiengang, aber doch für die Ausbildung interessieren können.

Ein paar Leute haben unseren Stand eher mit mehr Fragezeichen als mit weniger verlassen. Das lag dann aber daran, dass in ihrer Vorstellungswelt irgendwas verrutscht ist, das wir in dem Rahmen eines Infostandes nicht abschließend (er)klären konnten, zumal die Besucher mit Nachfragen eher sparsam waren.

Ich selbst bin recht überrascht und nachdenklich nach Hause gefahren, allerdings auch mit einigen Erkenntnissen.

Fazit? – Pflege im Wandel

Dass Pflege einen Spannungsbereich in unserer Gesellschaft bildet, ist wohl jedem klar. Dass Pflege sich im Wandel befindet, ist zumindest vielen klar.  Wie dieser Wandel allerdings aussieht, welche Fragen sich da stellen, wie Antworten aussehen können und wo die her kommen, das alles ist sehr unklar.

Selbst wir innerhalb der Gruppe der beruflich Pflegenden wissen ja nicht, wie Pflege sich in 10, 20 oder 30 Jahren darstellt. Klar, es gibt Statistiken, Überlegungen, Tendenzen, Diskussionen … aber all das ist gegenwärtig oder zeigt Ausblicke.

Dass solche Ausblicke, die man im Rahmen eines kurzen Gespräches oder einer kurzen Vorstellung ohnehin nur anreißen kann, Leuten von „außerhalb“ nahezu utopisch erscheinen, ist da an sich gar nicht so verwunderlich.

Alles ist in Bewegung!

Alles ist in Bewegung!

Wenige Tage zuvor fand in der Nachbarschaft eine Demonstration gegen den Pflegenotstand statt. Es ging um zu wenige Pflegekräfte, um Überlastung, schlechte Bezahlung … und ganz generell ist Pflege eines der (endlich mal) lauter werdenden Themen im Rahmen der nahenden Bundestagswahl.

Das mitzubekommen und dann von einem Pflegestudium zu hören, auch noch eines für die Praxis selbst, oder dass man meint, irgendwas erforschen zu wollen, das muss dann geradezu alienartig wirken, verwirrend, eben wie aus einer anderen Welt.

Die Frage für mich ist, wie sehr man das weiterhin bestehende, traditionelle Bild vom Pflegeberuf und die (pflege)berufspolitische Situation sowohl in Deutschland als auch im Hinblick auf Europa von einem Infostand zum Studium der Pflegewissenschaft abtrennen kann oder sollte.

Meiner Meinung nach sollte man eine Gelegenheit wie solch einen Tag der offenen Tür noch mehr nutzen und diese Dinge nicht voneinander trennen, sondern diese Aspekte einbeziehen, sie zum Thema machen.

Natürlich hat es ein Studiengang, der eine abgeschlossene Ausbildung erfordert oder eine solche inkludiert, hinsichtlich genereller Interessenten dabei nicht so leicht wie ein grundständiger Studiengang.

Dennoch: Im Journalistikbereich konnte man sich praktisch am Radiogeschehen probieren, die Geographie lockte mit Drohnen und Wetterstation, ein Biologiedozent  präsentierte Botanik und Landschaftsarchitektur im Hofgarten. Es wurden Waffeln gebacken, Spieße gegrillt, Poster und Collagen aufgehangen, mit bunten Farben zu den Ständen gelockt, Schnuppervorlesungen gehalten und Führungen organisiert.

Da geht also noch einiges (mehr), denke ich. Ideen gibt es schon reichlich und ich glaube, dass wir im nächsten Jahr inspiriert davon ein paar umsetzen können und werden. 🙂