Die Vision

Erst hatte ich gar kein Konzept, dann hatte ich ein bisschen Konzept, dann keine Zeit, das der Reihe nach umzusetzen. So ein Blog ist aber in seiner ursprünglichen Form eine Art Online-Tagebuch, und seit wann haben Tagebücher eigentlich Konzepte?  Außerdem bin ich gerade ziemlich geflutet von allerlei Planung und Konzepten, sodass ich die Idee, „einfach mal anzufangen“, „einfach mal zu machen“ mittlerweile bei weitem nicht mehr so unattraktiv finde.

Wie komme ich nun zum Titel?

Als ich Blog und Kanal mit vollem Eifer zusammengebastelt habe, habe ich mich gleichzeitig auch sonst darum gekümmert, mich pflegemäßig mal mehr in den sozialen Medien umzusehen, Twitter, Facebook, Blogs und Webseiten, Youtube-Kanäle usw.

Die Social Media-Abwärtsspirale

Im Nachhinein ist das eine bedingt gute Idee gewesen. Zwar finde ich es interessant und spannend, mich zu diesen Themen zu informieren, aber im Social Media-Bereich bewegt man sich ja doch eher im emotionalen Bereich, was Meinungen, Austausch und teils auch Faktenweitergabe betrifft.

In den ersten zwei Wochen habe ich gelesen und geklickt, was das Zeug hielt. Und dann habe ich gemerkt, dass mir das weder gefällt noch gut tut.

Spirale

Rauf oder runter?

Klar, unsere Berufsgruppe ist (unter anderem) benachteiligt, es fehlt an Anerkennung, ich selbst bin so manches Mal genervt von der Außenmeinung zu unserem Beruf, wenn sie mich erreicht. Diverse Nachrichten wie die der „Vereinigung der bayerischen Pflege“ sind für mich, die vor 1,5 Jahren nach Bayern gezogen ist, ein richtig übler Schlag ins Gesicht. Aber es hilft ja nicht, den Kopf in den Sand zu stecken. Man muss weitermachen, man kann auf allem aufbauen. Manchmal, da geht einem die Geduld flöten und die Hoffnung leidet, aber alles andere, soviel steht fest, bringt noch viel weniger.

Alles andere führt nämlich zu der Pflege von „innen“, wie sie sich in Social Media zeigt. Alles ist nämlich noch viel furchtbarer, schlimmer, unterirdischer, fieser und überhaupt. Schlecht bezahlt, schlecht behandelt, missverstanden. Zu viel Arbeit, zu viel „doofe“ Arbeit. Und dann dieser Schichtwechsel und die bösen „Ösen“ (= Stationsleitungen) und so. Eine richtig schön abwärts laufende Spirale. Mir fehlen da einfach positive Aussagen abseits des Humors.

Sich nicht abarbeiten, sondern (wieder) begeistern

Wir alle müssen uns mal Luft machen (können), und der Zeit, Dinge zu verändern, verbessern, professionalisieren, hinken wir schon lang hinterher.

Aber eine passive Erwartungshaltung verändert gar nichts. Und unsere Slogans setzen aus meiner Sicht teilweise an der falschen Stelle an.

Yay

Hinlegen oder aufspringen?

Nicht am Boden liegen: aufstehen!

WIR sind Pflege? – DU bist Pflege, ICH bin Pflege, JEDER von uns ist Pflege. Auch als Individuum, nicht nur als große schwammige Masse. Also mach was draus!

Anstatt sich an miesen Strukturen abzuarbeiten, kann jeder von uns diese Energie genauso gut da rein stecken, sie zu verbessern.  Kostet dasselbe, macht aber zufriedener.

Und was soll es bringen darauf zu warten, dass „die da oben“ Besserung in irgendeinem Aspekt der Pflege bringen, wenn „die da oben“ nicht mal Teil der Pflege sind?

Nee, Leute, es ist bald Weihnachten. Also schnappt euch den Stern und steckt ihn selbst auf den Baum. Ab sofort. Jawohl.

Ich zumindest habe Blog und Youtubekanal erstellt, um meine Begeisterung für unseren Job zu teilen. Mit Pflegenden, mit Nicht-Pflegenden. Und ich bin nicht bereit, kein kleines Stück, mir meinen Beruf schlecht reden zu lassen. Nicht von Kollegen, nicht von Außenstehenden, nicht von Vorgesetzten und nicht von Politikern.

Meine Vision

Als ich mich damals um eine Ausbildungsstelle beworben habe, hatte ich eine Vision. Ihr wisst schon, dieses „Menschen helfen“ und so. Und ich habe diese Vision nicht verloren. Sie hat sich nur verändert. ICH habe sie verändert. Denn niemand anderes ändert MEINE Vision, niemals.

Ich möchte Menschen helfen, ja. Ich möchte ihnen helfen, selbstbestimmt zu leben und zu sein, auch wenn sie kurz- oder längerfristig Einschränkungen erleben. Ich möchte all mein Wissen nutzen, um die Person zu sein, der man sein Herz ausschüttet und seine Probleme beichtet, von der man aber auch weiß, dass die Lösungen oder Strategien bereit hält. Weil sie empathisch ist, ohne rein emotional zu agieren, weil sie Lösungen und Strategien erlernt hat, sich auf professionellem Terrain bewegt und sich bemüht, das immer up to date zu halten, um alle Möglichkeiten auszuschöpfen.

Brille

Deine Vision?

Das ist meine Vision. Es ist eine Vision, weil jeder Tag anders ist, jeder Mensch, dem ich begegne, anders ist, weil auch ich jeden Tag ein bisschen anders bin. Weil es durchaus anstrengend ist, sich ständig darum zu bemühen, Tag für Tag. Aber das macht mich zufrieden und kostet nur Energie und Kraft – die spare ich dafür anderswo.

 Wo ist eure Vision? Ihr hattet bestimmt auch eine. Ist die noch dieselbe? Hat sie sich verändert? Oder habt ihr sie unterwegs verloren?

Falls letzteres auf euch zutrifft: Bastelt euch eine neue! 🙂

 

2 Kommentare

  1. Dankeschön für diesen Text! Ich bin sehr gespannt was hier noch so kommt 🙂

  2. Du bringst es auf den Punkt, ich werde Dich weiter empfehlen!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

*

© 2017 rumnursen

Theme von Anders NorénHoch ↑