Stellenwechsel zwecks Bedeutsamkeit

Vor ein paar Tagen habe ich meinen letzten Nachtdienst absolviert. Am Abend davor war Stationsweihnachtsfeier. Sowas hat noch mal einen ganz anderen Charakter, wenn man weiß, man ist in einem Tag nicht mehr da. Schon noch da, aber nicht mehr dort, nicht mehr Teil des Teams. Und dann ist da noch dieses Mitarbeiterappartement, sodass mein Aufhören verknüpft ist mit einem Umzug. Einräumen, transportieren, ausräumen, Endreinigung … ihr kennt das. Und dann ist da noch die Uni. Das alles zusammen ist ziemlich viel. Dabei wollte ich mir eigentlich die Zeit nehmen, diesen Abschied und Neuanfang in Ruhe zu zelebrieren. Die Ruhe muss ich dabei wohl ein bisschen streichen und vermutlich zieht sich das alles nun etwas in die Länge, aber macht ja nichts. Wird es halt erst mal eine kleine Artikelreihe dazu, nach und nach, Stück für Stück.

Mich hat noch nie ein Abschied so beschäftigt wie dieser hier nach 2,5 Jahren. Wobei die anderen Abschiede begleitend jetzt natürlich auch wieder in meinem Kopf aufplöppen. Aber der hier, der ist seltsam und ich finde ihn traurig. Auf mehreren Ebenen. Und darüber will ich reden, darüber will ich bloggen. Und vielleicht, vielleicht kennt das ja sogar jemand von euch so oder ähnlich aus eigener Situation?

Wo bin ich denn nun weg?

Alte Hand hält junge HandVor 2,5 Jahren habe ich in der geriatrischen Rehabilitation angefangen. Ist nun nicht neu für mich, immerhin mache ich seit fast 20 Jahren nichts anderes als Geriatrie. Akutklinik, Modellversuch geriatrischer Palliativpflege, Frührehabilitation (Komplexbehandlung, GFK … wie immer ihr sie nennt), da ist die geriatrische Anschlussheilbehandlung nun auch nicht weit weg.

Kommt vielleicht höchstens ein bisschen auf das Bundesland an. In NRW beispielsweise ist es mit der geriatrischen AHB nicht weit her, da gibt es wenig Plätze. Dafür jede Menge Frühreha. In Bayern ist es sozusagen umgekehrt. Na, nicht ganz, aber das Verhältnis ist da schon ein ganz anderes. Was auch zu einer ganz unterschiedlichen Wahrnehmung und Akzeptanz von geriatrischer Frühreha und AHB führt, bei allen beteiligten Personen inklusive Patienten und Angehörigen. Aber das ist wohl eher ein separates Thema.

Und wo gehe ich hin?

Im Januar wechsle ich in die geschlossene Gerontopsychiatrie. Das ist irgendwie auch wieder mein Bereich und dann aber doch etwas völlig Neues.

Psychiatrische Aspekte hat man in der Geriatrie eigentlich immer. Die Zahl der an Demenz Erkrankten steigt sowieso ständig an, aber auch Depressionen und schizophrene Störungen sind nicht selten. Übrigens habe ich den letzten Jahren erstmals Kontakt zu alten Patienten nach versuchtem Suizid gehabt. Mehrfach. Entweder hat das vorher keinen interessiert bzw. es wurde nicht kommuniziert, oder das nimmt zu. Ich weiß es nicht.

Die Patienten in der (Früh)rehabilitation sind aber in der Regel stabil. Sie sind irgendwie medikamentös eingestellt oder weisen leichte Erkrankungsformen auf, mit denen es sich rehamäßig noch gut arbeiten lässt. Die Praxis sieht da auch zeitweise wieder anders aus, aber auch das ist ein anderes Thema.

In der geschlossenen Gerontopsychiatrie ist aber wohl mal nix kompensiert in irgendeiner Form. Bislang habe ich lediglich Patienten aufgenommen, die nach längerem Aufenthalt dort DANN als rehafähig galten.

Warum wechsle ich überhaupt?

Diese Frage beinhaltet eigentlich den Knackpunkt und den Hintergrund dessen, warum mich dieser Abschied so beschäftigt.

Vielleicht erinnert ihr euch ja an meinen Artikel zu meiner Vision?  Den habe ich vor 14 Monaten geschrieben. Und in dieser Zeit hat mein Arbeitsumfeld sich in gänzlicher Passivität alle Mühe gegeben, mir diese Vision kaputt zu machen.

Exkurs: Meine erste Kündigung

Meine erste Stelle hatte ich nach 13 Jahren Unternehmenszugehörigkeit gekündigt. Das fiel mir damals echt schwer, war ja irgendwie eine Art (Arbeits-)Zuhause, zumal ich schon in meiner Ausbildungszeit dort einen Einsatz absolviert hatte.

Ich bin also niemand, der sofort das Handtuch wirft. Aber ich habe mir damals auch geschworen, dass ich mich niemals verheizen lasse, zum Beispiel als alleinige Nachtwache ohne Springer in der Akutgeriatrie für bis zu 45 Patienten, die teils in Zimmern oder auf dem Flur zugeschoben sind. Und dann noch Tabletten stellen, Tropfen und morgendliche Infusionen richten, Apotheke handschriftlich bestellen etc. – auch das kennt ihr sicher. Interessanterweise waren das Zustände, die mich haben zweifeln lassen, aber sie waren nur Teil meiner letztlichen Kündigungsabsicht. Dass es dort nicht weitergeht wurde mir erst klar, als der Chefarzt in der QM-Sitzung, als die bestehenden Defizite, gerade im Hinblick auf das bestehende Leitbild,  thematisiert wurden meinte: „Dann pflegen wir eben nicht mehr herausragend, sondern nur noch ausreichend.“

Das wurde so salopp ausgesprochen und zustimmend abgenickt, dass es mir den nötigen Schubs gegeben hat. Habe ich auch nie bereut.

Exkurs: Die heile Welt meiner letzten Stelle

Die Arbeitssituation dort, wo ich nun weg bin, gestaltet sich ganz anders. Und, ehrlich: Im Vergleich ist sie dort auch deutlich besser, was Auslastung und Besetzung betrifft. Alles andere wäre gelogen. Das ist alles schon noch sehr viel näher dran an dem, was ich von vor 15+ Jahren kenne, sehr viel menschlicher. Und das Pflegeteam ist dort wirklich außergewöhnlich. Da merkt man schon an den Übergaben, dass sich jede(r) Gedanken um die einzelnen Patienten macht, da werden pflegerische Maßnahmen aus Interesse geplant und nicht, weil sie irgendwo auf dem Papier stehen müssen. Natürlich ist die Welt auch da nicht perfekt und so, logisch, aber diese Form der Professionalität und des aktiven Interesses an den Leuten, mit denen man arbeitet, das finde ich schon bemerkenswert. Und ist es toll, mit so einem Team zu arbeiten. Hat mich auch lange über Wasser gehalten.

Ave Antonovsky

Maslow-Pyramide

Maslow-Pyramide

Man lernt ja so einiges im sozialen Bereich. Zum Beispiel die Bedürfnispyramide nach Maslow. Ich zeige hier mal die englische Variante, weil ich keine deutsche frei einsetzbar in gescheiter Auflösung gefunden habe, aber ich denke, ihr kennt die Bedürfnispyramide sowieso.

Nun gibt es ja die unterschiedlichsten Theorien und Modelle, sowohl in der Pflege und bezogen auf Pflegebedürftige, als auch im Hinblick auf Mensch und Gesellschaft an sich. Mein persönlicher Favorit ist seit vielen Jahren das Modell der Salutogenese von Antonovsky.

Er hat diesen Begriff als Gegenentwurf beziehungsweise Ergänzung zur Pathogenese entwickelt, auf die sich ja leider unsere aktuelle Medizin so stützt. Wir suchen ja nach Symptomen, nach Defiziten. Antonovsky hingegen suchte nach Dingen, die einen Menschen gesund erhalten können. Dazu gehört auch, stressige Dinge handhaben zu können. Mittelpunkt des Ganzen ist das sogenannte Kohärenzgefühl, das aus 3 Faktoren besteht:

Verstehbarkeit = kognitives Begreifen der Umwelt

Handhabbarkeit = Wie Probleme gelöst werden können oder für lösbar gehalten werden

Bedeutsamkeit = emotionaler Anteil, Sinn des Tuns erkennen (–> Herausforderung statt Belastung)

Ich mag dieses Modell, weil ich es für den Alltag für jeden so verständlich, einfach und zugleich so wichtig finde.

Und es hilft mir sogar jetzt, meinen Stellenwechsel zu erklären, denn es hapert extrem an Bedeutsamkeit für mich.

Kleine Dinge, große Wirkung

Im Grunde ist es nichts anderes als das, was ich in meinem Visionsartikel schon geschrieben habe. Aber mal anders betrachtet:

Ja, die Zeiten sind schlecht, wir haben Pflegenotstand, alles ist schlimm und wird ohnehin noch viel schlimmer. Soweit, so schlecht.

Trotzdem habe ich es in meinem bisherigen Berufsleben immer auf die eine oder andere Weise geschafft, am Ball zu bleiben und meinen Beruf gerne auszuüben. Ich mag den wirklich und ja, ich würde ihn auch tatsächlich noch mal erlernen, wenn ich die Wahl hätte.

Das liegt nicht daran, dass ich die Augen vor allem verschließe. Ich sehe die Probleme, und auch ich blicke durchaus sorgenvoll in die pflegerische Zukunft. Ich weiß aber auch, dass es oftmals kleine Dinge sind, die etwas bewirken können. Ob nun organisatorisch, kollegial, patientenorientiert oder individuell. Und das macht in Summe eine ganze Menge aus, finde ich. Man muss nicht gleich die ganze Welt retten. Kann man auch nicht. Soviel zur Verstehbarkeit.

Hä? Bedeutsamkeit?

MegafongebrüllIm vergangenen Jahr habe ich erlebt, dass meine Arbeit drastisch an Wert verliert, an Bedeutsamkeit also. Natürlich gibt es Lippenbekenntnisse, wie wichtig doch der pflegerische Anteil an allem sei. Aber sie sind eben genau das: Lippenbekenntnisse. Beobachtungen seitens des Pflegepersonals werden nicht (mehr) beachtet, werden abgetan. Unterhaltungen im Rahmen dessen, was ich so sehr schätze – dem multiprofessionellen Team -, sind äußerst selten geworden. Dafür gibt es Anordnungen auf Zuruf, gerne auch quer über den Gang, oder auch mitten während eines Gesprächs mit Dritten, zum Beispiel Angehörigen, dem Sozialdienst, oder auch während der Übergabe.

Was? Die Pflege findet, ein Patient sei nicht rehafähig, weil … Pff, was weiß die Pflege schon? Die sind doch nur zu faul, sich um den Patienten zu kümmern.

Was? Die Pflege findet, bei dem Patienten sei dieses oder jenes vielleicht sinnvoll, Arzt/Ärztin mögen sich das doch bitte mal genauer ansehen? Pff, was weiß die Pflege schon? Sowas muss man sich doch nicht ansehen, weil die Pflege das meint. Also bitte! Da ordnet man eher noch ein paar Vitamine an, oder noch besser: Tee. Oder nein, am besten eine warme Milch mit Honig. Ja, das bringt sicher alles ins Lot. Und da man sowas auf Zuruf macht neuerdings, kann man die freie Zeit besser damit nutzen, ein paar übergriffige Sachen anzuordnen: „Pat. Socken anziehen, ist kalt“ oder „Pat. ganztags mobilisieren“ (really?) oder auch mal „Pat. Haare waschen“ .

Was? Die Pflege hat einen RTW gerufen, bevor der Dienstarzt vor Ort ist, um das anzuordnen? Nur wegen einer massiven GIT-Blutung? Da gibt es erst mal einen saftigen Anschiss und die Information, dass der Pflege sowas nicht zustehe. Das sei Arztsache. Aufgabe der Pflege wäre es, das Viggo-Tablett zu richten und die Kopien für eine Verlegung anzufertigen. Auf dem Kopierer, den es nur im Arztzimmer gibt. Dem abgeschlossenen Arztzimmer, versteht sich.

Es ist nicht möglich, all solche Dinge vollständig aufzulisten. Da ist zu vieles, etliches auch zu komplex. Das wäre wohl auch dünnes Eis. Aber es sammelt sich. Und es führt dazu, dass man sich fragt: Wozu das alles?

Raus aus dem Stillstand

Habe ich dafür eine 3-jährige Ausbildung absolviert, stetige Fort- und Weiterbildungen? Wohl kaum.

Neue Dinge anstoßen … zum Scheitern verurteilt. Muss man mal sehen, kann man mal drüber reden, mal gucken. Vielleicht. Demnächst. Eventuell. Oder so.

Am schlimmsten waren im Nachhinein aber die konfrontierenden Gespräche. Einmal, weil sie deutlich zeigten, wie wenig Intellekt man Pflegenden zutraut, wenn man ihnen mit ominösen Argumenten oder gar hanebüchenen Einschüchterungsversuchen begegnet. Und dann, wenn man irgendwann merkt, dass die Probleme darauf fußen, dass nicht wirklich zugehört wird, und dass die Interpretation des Gesagten noch vor dem Ende desselben erfolgt. Und das ist eine Interpretation von Pflege an sich, die nicht mehr in dieses Jahrhundert gehört. Es ist egal, was man sagt, wie man argumentiert, was man vorbringt. Es scheitert tatsächlich am Verständnis. Auf ganzer Linie. Wie traurig.

Es macht auch gar keinen Sinn, an so einem Punkt überhaupt weiter zu diskutieren, weiter zu argumentieren, weiter zu kämpfen.

Und so scheitert alles an der Bedeutsamkeit.

An der gefühlten, für mich, an der wahrhaftigen, an sich.

 

Tag der offenen Tür: Wenn Pflege(wissenschaft) auf ihre Umstände trifft

Tag der offenen Tür an der Universität Eichstätt-Ingolstadt, und auch die Pflegewissenschaft war mit einem eigenen Infostand vertreten. Für diesen habe ich mich – wie auch zwei Mitstudierende aus meinem Semester und eine Studierende aus dem 10. Semester – als Standhelferin gemeldet. Wir vier teilten uns in zwei Schichten auf, sodass jede drei Stunden am Infostand verbrachte.

Infostand & Angebot

Die Infostände der einzelnen Studiengänge waren meist zu mehreren in jeweils einem Raum zu finden. In unserem Fall teilten wir den Raum mit Religionspädagogik, Katholischer Theologie, Musikwissenschaft und Sozialer Arbeit.

Raumübersicht mit den Ständen der einzelnen Studiengänge

Raumübersicht mit den Ständen der einzelnen Studiengänge

standüberblick

Bereit für den Ansturm

Man hatte also verhältnismäßig wenig Raum, um den jeweiligen Studiengang vorzustellen, auch wenn neben Tischen Stellwände zur weiteren Dekoration und Information zur Verfügung standen.

Auslage Pflegewissenschaft

Auslage des Infostands Pflegewissenschaft

Unseren Tisch hatten wir recht üppig mit diversen Flyern, Broschüren, Fachzeitschriften und Co. gedeckt. Zwei Stellwände nutzten wir, um einen ersten Überblick über den Studiengang und seinen Verlauf darzustellen.

Zusätzlich zur Anlaufstelle des Infostandes fand ein knapp einstündiger Vortrag zum Studiengang Pflegewissenschaft von Monika Hohdorf (M. Sc. N) statt. Dieser Vortrag gab einen ersten Überblick über das Studium an der KU Eichstätt-Ingolstadt. Aktuell ist es sowohl dual (also mit begleitender Ausbildung in Gesundheits- und Krankenpflege) sowie berufsbegleitend möglich.

vortrag

Vortrag von Fr. Hohdorf (M. Sc. N)

Auch Ausblicke für ein abgeschlossenes Studium bekamen Interessierte gleich mit auf den Weg. Dies bezog sich einerseits auf bereits gegebene Möglichkeiten, andererseits aber auch auf sich derzeit in Entwicklung befindliche Einsatzbereiche. Hinzu kamen Zukunftsperspektiven, deren Umsetzung in der Praxis zur Zeit noch nicht absehbar sind. Beispielsweise sowas wie Versorgungskonzepte für die Zahl der zunehmend chronisch Erkrankten und/oder an Demenz erkrankten Menschen.

Fragen & Gespräche

Dies war das erste Mal, dass ich einen Tag der Offenen Tür an der KU erlebt habe und entsprechend auch das erste Mal für mich an einem Infostand für den Studiengang Pflegewissenschaft. Im Vorfeld hatte ich mir tatsächlich kaum Gedanken darüber gemacht, mit welchen Fragen Besucher auf uns zukommen könnten und in welcher Bandbreite, sodass ich ziemlich gespannt auf den Tagesverlauf war.

Im Rückblick würde ich die Interessenten, insofern ich die stattgefundenen Gespräche überblicken kann, in drei Bereiche aufteilen: Orientierungsfragen junger Leute (meist ohne bisherige Ausbildung, also vorwiegend am dualen Konzept interessiert), Gespräche mit Leuten aus – grob gesagt – verwandten/sozialpflegerischen Berufen mit Interesse an Weiterentwicklung, und zuletzt vornehmlich interessierte Eltern mit teils weniger interessierten Kindern kurz vor dem Studienbeginn. 😉

Infogespräch

Infogespräch

Je nachdem, aus welchem Kontext heraus Gespräche entstanden, war meiner Wahrnehmung nach auch der Effekt unterschiedlich.

Interessierte Eltern waren dabei besonders schnell zu begeistern. Pflege als bodenständiger Beruf, in dem man immer Kräfte sucht, zukünftig suchen wird UND dazu noch ein Studium mit Zukunftsperspektive in genau diesem Bereich, das kam als Grundaussage ganz gut bei ihnen an, traf aber nicht so oft auch den Nerv der Sprösslinge.

Regelrechter Enthusiasmus begegnete mir vor allem im Kontakt mit Leuten, die bereits eine Ausbildung absolviert hatten und sich nun weiter qualifizieren wollten. Spannenderweise habe zumindest ich dabei nicht ein einziges Mal mit jemandem aus der Gesundheits- und Krankenpflege gesprochen, sondern mit Heilerziehungspflegerinnen, Rettungssanitäterinnen und Leuten aus ähnlichen Berufen. Dort war die Begeisterung dann leider schnell gebrochen, wenn sie erfuhren, dass das Examen in Gesundheits- und Krankenpflege – oder im dualen Studium dessen Erwerb – Grundlage des Studiums der Pflegewissenschaft an der KU ist und der Richtwert damit 11 Semester sind.

Begeisterung vermitteln

Begeisterung vermitteln

Für die jungen Leute ohne bisherige Ausbildung war überraschend, dass man nach der Ausbildung auch im dualen System nicht „fertig“ ist, sondern weitere fünf Semester (nach regeltypischem Verlauf) anstehen. Das kam tendenziell eher nicht gut an. Auch der Verweis, je nach persönlicher Lebensgestaltung natürlich Module vorziehen zu können und somit die Gesamtdauer zu reduzieren, machte da scheinbar keinen Unterschied aus. Für jemandem mit 16 oder 17 Jahren sind drei Jahre Ausbildung plus weiterer 2-3 Jahre Studium wohl schwer zu überblicken und darum als quasi „ewig“ lang eingeschätzter Zeitraum angekommen.

Probleme (in) der Pflege: Auch hier spürbar

Worüber ich im Vorfeld gar nicht nachgedacht habe war das Phänomen, dass bestehende Probleme (in) der Pflege sich auch an diesem Tag der offenen Tür und in den Informationsgesprächen widergespiegelt haben.

Meinem persönlichen Eindruck nach waren die Kenntnisse sowohl hinsichtlich des Berufbildes der Gesundheits- und Krankenpflege als auch die Kenntnisse zum Studiengang (oder auch ähnlichen Studiengängen) größtenteils eher gering und vielmehr geprägt von zwei vorherrschenden Aspekten:

1. Pflege als Beruf, in dem man „Gutes“ tut. 

Im Alltag bin ich an allerlei Auffassungen längst gewöhnt, dass sich diese Ansichten aber genauso bei den Besuchern eines Uni-Tages der offenen Tür zeigen würden, hat mich doch tatsächlich ehrlich überrascht. Ich traf auf eine geballte Ladung von „Das kann man auch studieren!?“ bis hin zu „Und damit wird man eine bessere Krankenschwester?„. Eltern waren wie gesagt von diesem „caritativen“ Beruf als solchem öfters sehr angetan, aber auch hier war eben „Gutes tun“ neben Zukunftssicherheit des Berufes offenbar stärkste Antriebsfeder.

Überraschung

2. Pflege wird nicht als Profession wahrgenommen.

Vorherrschend war auch die Ansicht, dieses Studium diene dem Besetzen von Leitungspositionen. Die Idee, dass akademisierte Pflegekräfte tatsächlich in der Praxis tätig sein könnten, stieß auf Unverständnis bis Unglauben. Klar wurde mehrfach, dass man sich nicht mal vage vorstellen konnte, wieso man als studierte Kraft aktiv in der Pflege tätig sein sollte. Oder auch, welche Vorteile dies für die Versorgung beispielsweise haben könnte. Auch dass es irgendwas zu forschen geben könnte im Bereich der Pflege, schien Leute zu überraschen oder zu verwirren.

Hat es sich gelohnt?

Da ich nicht an den Planungen für den Tag der offenen Tür beteiligt war, sondern lediglich als Standhelferin vor Ort war, weiß ich nicht genau, welche Absicht unser Stand letztlich verfolgt hat.

Ich glaube, dass es an dem Tag durchaus gelungen ist, Interessenten für den Studiengang abzuholen und (weitergehend) zu informieren. Es würde mich zumindest nicht wundern, die eine oder andere Person in absehbarer Zeit mal auf dem Campus wieder zu treffen. Ich denke, vereinzelt haben wir auch Leute vielleicht nicht für den Studiengang, aber doch für die Ausbildung interessieren können.

Ein paar Leute haben unseren Stand eher mit mehr Fragezeichen als mit weniger verlassen. Das lag dann aber daran, dass in ihrer Vorstellungswelt irgendwas verrutscht ist, das wir in dem Rahmen eines Infostandes nicht abschließend (er)klären konnten, zumal die Besucher mit Nachfragen eher sparsam waren.

Ich selbst bin recht überrascht und nachdenklich nach Hause gefahren, allerdings auch mit einigen Erkenntnissen.

Fazit? – Pflege im Wandel

Dass Pflege einen Spannungsbereich in unserer Gesellschaft bildet, ist wohl jedem klar. Dass Pflege sich im Wandel befindet, ist zumindest vielen klar.  Wie dieser Wandel allerdings aussieht, welche Fragen sich da stellen, wie Antworten aussehen können, das alles ist sehr unklar.

Selbst wir innerhalb der Gruppe der beruflich Pflegenden wissen ja nicht, wie Pflege sich in 10, 20 oder 30 Jahren darstellt. Klar, es gibt Statistiken, Überlegungen, Tendenzen, Diskussionen. Aber letztlich sind das Ausblicke.

Dass solche Ausblicke, die man im Rahmen eines kurzen Gespräches ohnehin nur anreißen kann, Leuten von „außerhalb“ nahezu utopisch erscheinen, ist da an sich gar nicht so verwunderlich.

Alles ist in Bewegung!

Alles ist in Bewegung!

Wenige Tage zuvor fand in der Nachbarschaft eine Demonstration gegen den Pflegenotstand statt. Es ging um zu wenige Pflegekräfte, um Überlastung, schlechte Bezahlung und so weiter. Und ganz generell ist Pflege eines der (endlich mal) lauter werdenden Themen im Rahmen der nahenden Bundestagswahl.

Das mitzubekommen und dann von einem Pflegestudium zu hören, auch noch eines für die Praxis selbst? Das muss dann geradezu alienartig wirken, verwirrend, eben wie aus einer anderen Welt.

Die Frage für mich ist, wie sehr man das weiterhin bestehende, traditionelle Bild vom Pflegeberuf und die (pflege)berufspolitische Situation sowohl in Deutschland als auch im Hinblick auf Europa von einem Infostand zum Studium der Pflegewissenschaft abtrennen kann oder sollte.

Meiner Meinung nach sollte man eine Gelegenheit wie solch einen Tag der offenen Tür noch mehr nutzen und diese Dinge nicht voneinander trennen, sondern diese Aspekte einbeziehen, sie zum Thema machen.

Natürlich hat es ein Studiengang, der eine abgeschlossene Ausbildung erfordert oder eine solche inkludiert, dabei nicht so leicht wie ein grundständiger Studiengang.

Dennoch: Im Journalistikbereich konnte man sich praktisch am Radiogeschehen probieren. Die Geographie lockte mit Drohnen und Wetterstation. Ein Biologiedozent  präsentierte Botanik und Landschaftsarchitektur im Hofgarten. Es wurden Waffeln gebacken, Spieße gegrillt, Poster und Collagen aufgehangen, mit bunten Farben zu den Ständen gelockt. Es wurden Schnuppervorlesungen gehalten und Führungen organisiert.

Da geht also noch einiges (mehr), denke ich. Ideen gibt es schon reichlich und ich glaube, dass wir im nächsten Jahr inspiriert davon ein paar umsetzen können und werden. 🙂

Die besten Wünsche zum Internationalen Tag der Pflegenden!

Allen beruflich Pflegenden hiermit die besten Wünsche!

[10 facts about me] Pflege & ich

Endlich gibt es mal ein neues Video auf dem Kanal: ein 10 facts about me, also 10 Punkte, die es zu mir (in Bezug auf Pflege) so zu sagen gibt.

War schon eine Herausforderung, da 10 Fakten rauszupicken. Es sind es dann auch 11 geworden, und ich hoffe mal, die bilden für den Start eine ganz gute Basis.

Letztlich gibt das Video einen groben Überblick über meinen pflegerischen Werdegang vom ersten Schulpraktikum bis heute.

Projekt rumnursen: Alles neu macht der Mai

Ziemlich genau ein halbes Jahr ist schon wieder vergangen, seit ich den letzten Beitrag zu rumnursen veröffentlicht habe. Noch nicht ganz angefangen, aber schon keine Lust mehr?

Tatsächlich ist vielmehr das Gegenteil der Fall. Im letzten halben Jahr hat sich für mich sehr vieles verändert; es ist viel Neues passiert, ich habe viel gelernt, neue Interessen entwickelt, andere wiederentdeckt und intensiviert.

Bei all dem habe ich Blog und Youtubekanal durchaus stets im Hinterkopf gehabt mit den Gedanken dazu, wie und ob ich das alles wohl eingebracht bekomme.

Der Fokus des Projekts wird sich hierbei erweitern. Aber er wird sich auch ein kleines bisschen verschieben insofern, dass es zukünftig Beiträge geben wird, die sehr viele ansprechen, aber auch Themen ihren Raum bekommen, die eher wenige interessieren werden.

Wie immer im Netz gilt hierbei: Wenn es euch nicht interessiert, müsst ihr es euch nicht durchlesen, ansehen oder anhören. Aber vielleicht entdeckt ihr unterwegs ja auch ein paar neue Impulse für euch?

Lassen wir uns überraschen. 🙂

Die Vision

Erst hatte ich gar kein Konzept, dann hatte ich ein bisschen Konzept, dann keine Zeit, das der Reihe nach umzusetzen. So ein Blog ist aber in seiner ursprünglichen Form eine Art Online-Tagebuch, und seit wann haben Tagebücher eigentlich Konzepte?  Außerdem bin ich gerade ziemlich geflutet von allerlei Planung und Konzepten, sodass ich die Idee, „einfach mal anzufangen“, „einfach mal zu machen“ mittlerweile bei weitem nicht mehr so unattraktiv finde.

Wie komme ich nun zum Titel?

Als ich Blog und Kanal mit vollem Eifer zusammengebastelt habe, habe ich mich gleichzeitig auch sonst darum gekümmert, mich pflegemäßig mal mehr in den sozialen Medien umzusehen, Twitter, Facebook, Blogs und Webseiten, Youtube-Kanäle usw.

Die Social Media-Abwärtsspirale

Im Nachhinein ist das eine bedingt gute Idee gewesen. Zwar finde ich es interessant und spannend, mich zu diesen Themen zu informieren, aber im Social Media-Bereich bewegt man sich ja doch eher im emotionalen Bereich, was Meinungen, Austausch und teils auch Faktenweitergabe betrifft.

In den ersten zwei Wochen habe ich gelesen und geklickt, was das Zeug hielt. Und dann habe ich gemerkt, dass mir das weder gefällt noch gut tut.

Spirale

Rauf oder runter?

Klar, unsere Berufsgruppe ist (unter anderem) benachteiligt, es fehlt an Anerkennung, ich selbst bin so manches Mal genervt von der Außenmeinung zu unserem Beruf, wenn sie mich erreicht. Diverse Nachrichten wie die der „Vereinigung der bayerischen Pflege“ sind für mich, die vor 1,5 Jahren nach Bayern gezogen ist, ein richtig übler Schlag ins Gesicht. Aber es hilft ja nicht, den Kopf in den Sand zu stecken. Man muss weitermachen, man kann auf allem aufbauen. Manchmal, da geht einem die Geduld flöten und die Hoffnung leidet, aber alles andere, soviel steht fest, bringt noch viel weniger.

Alles andere führt nämlich zu der Pflege von „innen“, wie sie sich in Social Media zeigt. Alles ist nämlich noch viel furchtbarer, schlimmer, unterirdischer, fieser und überhaupt. Schlecht bezahlt, schlecht behandelt, missverstanden. Zu viel Arbeit, zu viel „doofe“ Arbeit. Und dann dieser Schichtwechsel und die bösen „Ösen“ (= Stationsleitungen) und so. Eine richtig schön abwärts laufende Spirale. Mir fehlen da einfach positive Aussagen abseits des Humors.

Sich nicht abarbeiten, sondern (wieder) begeistern

Wir alle müssen uns mal Luft machen (können), und der Zeit, Dinge zu verändern, verbessern, professionalisieren, hinken wir schon lang hinterher.

Aber eine passive Erwartungshaltung verändert gar nichts. Und unsere Slogans setzen aus meiner Sicht teilweise an der falschen Stelle an.

Yay

Hinlegen oder aufspringen?

Nicht am Boden liegen: aufstehen!

WIR sind Pflege? – DU bist Pflege, ICH bin Pflege, JEDER von uns ist Pflege. Auch als Individuum, nicht nur als große schwammige Masse. Also mach was draus!

Anstatt sich an miesen Strukturen abzuarbeiten, kann jeder von uns diese Energie genauso gut da rein stecken, sie zu verbessern.  Kostet dasselbe, macht aber zufriedener.

Und was soll es bringen darauf zu warten, dass „die da oben“ Besserung in irgendeinem Aspekt der Pflege bringen, wenn „die da oben“ nicht mal Teil der Pflege sind?

Nee, Leute, es ist bald Weihnachten. Also schnappt euch den Stern und steckt ihn selbst auf den Baum. Ab sofort. Jawohl.

Ich zumindest habe Blog und Youtubekanal erstellt, um meine Begeisterung für unseren Job zu teilen. Mit Pflegenden, mit Nicht-Pflegenden. Und ich bin nicht bereit, kein kleines Stück, mir meinen Beruf schlecht reden zu lassen. Nicht von Kollegen, nicht von Außenstehenden, nicht von Vorgesetzten und nicht von Politikern.

Meine Vision

Als ich mich damals um eine Ausbildungsstelle beworben habe, hatte ich eine Vision. Ihr wisst schon, dieses „Menschen helfen“ und so. Und ich habe diese Vision nicht verloren. Sie hat sich nur verändert. ICH habe sie verändert. Denn niemand anderes ändert MEINE Vision, niemals.

Ich möchte Menschen helfen, ja. Ich möchte ihnen helfen, selbstbestimmt zu leben und zu sein, auch wenn sie kurz- oder längerfristig Einschränkungen erleben. Ich möchte all mein Wissen nutzen, um die Person zu sein, der man sein Herz ausschüttet und seine Probleme beichtet, von der man aber auch weiß, dass die Lösungen oder Strategien bereit hält. Weil sie empathisch ist, ohne rein emotional zu agieren, weil sie Lösungen und Strategien erlernt hat, sich auf professionellem Terrain bewegt und sich bemüht, das immer up to date zu halten, um alle Möglichkeiten auszuschöpfen.

Brille

Deine Vision?

Das ist meine Vision. Es ist eine Vision, weil jeder Tag anders ist, jeder Mensch, dem ich begegne, anders ist, weil auch ich jeden Tag ein bisschen anders bin. Weil es durchaus anstrengend ist, sich ständig darum zu bemühen, Tag für Tag. Aber das macht mich zufrieden und kostet nur Energie und Kraft – die spare ich dafür anderswo.

 Wo ist eure Vision? Ihr hattet bestimmt auch eine. Ist die noch dieselbe? Hat sie sich verändert? Oder habt ihr sie unterwegs verloren?

Falls letzteres auf euch zutrifft: Bastelt euch eine neue! 🙂

 

Mein Youtube-Trailer

Hallo zusammen,

ich bin nach wie vor voll motiviert, hier möglichst bald auch Inhalte folgen zu lassen, und so habe ich das Wochenende gleich mal genutzt, um einen Trailer für den Youtubekanal zu drehen und online zu stellen:

Ich hoffe, dass möglichst zeitnah weitere Beiträge und Videos folgen werden, und vor allem hoffe ich auch auf Input von außen. Gerade Inspiration kann ich gebrauchen, wenn es darum geht, die kommenden (ersten) Themen abzustecken.

Zwar habe ich bereits eine Stichpunktliste angefangen, aber in dem Fall gilt ausnahmsweise mal „viel hilft viel„.

Vielen Dank auf jeden Fall schon mal an euch, die ihr euch bereits bei Facebook, Twitter und/oder Youtube eingefunden habt. Freut mich enorm! 🙂

1. Beitrag im Pflegeblog!

Hallo zusammen!

Die Idee, einen Pflegeblog/Youtubekanal zum Thema Pflege zu machen, schleppe ich insgesamt nun schon ein paar Wochen mit mir rum.

Eigentlich wollte ich das alles ja ausgesprochen geplant angehen, mit einem klaren Konzept und all solchen Dingen.

Irgendwie haben meine Begeisterung, die Idee umzusetzen und eine schlaflose Nacht nun aber dazu geführt, dass es diesen Pflegeblog einfach schon gibt.

Ihn, und einen angelegten Youtubekanal, Twitteraccount, eine Google+-Seite und schließlich auch eine Facebookseite.

Erwartet bitte keine spontanen Content-Wunder.

Aber ich freue mich sehr über eure Unterstützung in Form von Ermutigungen, Kommentaren, Themenvorschlägen, Austausch … und natürlich auch über“Likes“, Abos und ein Weiterverbreiten.

© 2017 rumnursen

Theme von Anders NorénHoch ↑